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Bruder steigert Umsatz in außergewöhnlichem Jahr

Die Bruder Spielwaren GmbH + Co. KG, Fürth-Burgfarrnbach, hat das außergewöhnliche Jahr 2020 nicht nur gut hinter sich gebracht, sondern stellt sich unter anderem – so Paul Heinz Bruder, ihr geschäftsführender Gesellschafter – „auf den Sonderfall eines beginnenden Jahres ohne Spielwarenmesse ein“. Die 72. Leistungsshow in Nürnberg findet nämlich nicht wie gewohnt statt. Die Werbung für die neuen Produkte ist in die virtuelle Welt verschoben worden, teils auch die persönlichen Kontakte. Wie sich das Jahr 2021 entwickele, sei „natürlich völlig offen“, winkt der Firmenchef alle Spekulationen ab.

Der dramatische Verlauf des Jahres 2020, geprägt von der weltweiten Corona-Pandemie, schüttelte nicht nur bei Bruder in Fürth viele Gewohnheiten durcheinander. Sie ließ alle Prognosen spätestens ab März Makulatur werden. Es folgten u.a.: angepasste Strategien, die neue Homepage seit Mai, andere Verkaufszahlen, eine international veränderte, teils unplanbare Absatzsituation, und dann noch die Hygienekonzepte, die neue Arbeitsabläufe vor Ort auslösten. Das, und viel mehr waren die letzten zwölf Monate. „Niemand wird je behaupten, wir alle hätten solch ein Jahr in weiser Voraussicht vorbereiten können“, sagt Paul Heinz Bruder. Er bilanziert dennoch zufrieden: „2020 war in Vielem unsicher, aber, auch das ist ein Fazit, für unsere Firma nicht grundsätzlich schlechter.“

Rückblick – Umsatzsteigerung dank Sommer-Geschäft

Der Sommer, in dem die Corona-Zahlen abflachten, war für Bruder eine besondere Jahreszeit: Sie bewies, dass der Verkauf der hauseigenen Spielwaren (alle im Maßstab 1:16) sehr gut funktionierte, und dass die Neuheiten, die sich die Verantwortlichen für 2020 ausgedacht hatte, ankamen. Es herrschte offenbar „ein großer Nachholbedarf, der bis in den Herbst anhielt“, freut sich Bruder rückblickend, „viele, die nicht in den Urlaub fahren konnten, steckten ihr Geld offenbar auch in Spielwaren. Kinder sind halt immer wichtig“. Trotz aller Sorgen, „vorallem im März, als wir die Produktion eine Zeitlang runterfuhren und an Ostern sogar einen zweiwöchigen Betriebsurlaub einlegten, entwickelte sich das Jahr im weiteren Verlauf für uns letztlich erstaunlich gut“, freut sich der Geschäftsführer. Der Bruder-Umsatz stieg nämlich von 79,2 auf 85 Mio. Euro. Die Mitarbeiterzahl von knapp 500 konnte, aufgrund der widrigen Umstände sowie einiger Ruheständlerregelungen, nicht ganz beibehalten werden (jetzt rund 480).

Während in einigen Ländern – Bruder ist aktiv in 60 weltweit – der Umsatz stagnierte (etwa in Frankreich oder den USA), entwickelten sich andere Absatzmärkte, „zum Beispiel Österreich, Deutschland selbst oder auch die osteuropäischen Staaten gut“, sagt Bruder. Ab Ende Juni stieg die Verkaufsrate der Bruder-Spielwaren allgemein wieder steil nach oben, erinnert er sich, „wir haben einfach Glück gehabt durch diesen Sondertrend“. Nach dem Umsatztiefpunkt im Mai (nur noch die Hälfte des Gewohnten) konnte das Unternehmen „durchatmen“; in zehn neue Maschinen wurde investiert.

Der Umsatzanteil mit dem Auslandsgeschäft liegt aktuell bei knapp unter 70 %.

Die Corona-Krise löste intern auch Verbesserungsvorschläge und optimierte Abläufe aus. „Wir haben die Situation einfach angenommen und überlegt, was wir noch besser machen können“, sagt Paul Heinz Bruder, und er fügt hinzu: „Allerdings waren auch die Zulieferketten teils arg strapaziert. Derzeit Liefertermine zu halten, ist auch jetzt noch, hier und da, zuweilen schwierig. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als mit dem Verständnis unserer Kunden zu rechnen und alles daran zu setzen gemeinsam durch diese Krise zu kommen“.

Online-Shop bleibt ein Nebengeschäft

Eine der Veränderungen 2020 ist, seit Mai, der ausgebaute eigene Online-Auftritt der Fürther. Früher konnten dort vor allem Ersatzteile bestellt werden; mittlerweile findet sich im Webshop die komplette Produktrange. Die Umsätze, die mit dem Internet-Verkauf getätigt werden, haben sich laut Bruder-Angaben seitdem zwar verdoppelt. „Gleichwohl ist das nur ein sehr geringer Anteil am Umsatz; wir verstehen unseren Webshop weiterhin eher als Service am Konsumenten, und das soll auch so bleiben“, so Bruder.

Die Verkaufszahlen im Netz seien „sicherlich der besonderen Corona-Situation zu verdanken, sprich den geschlossenen Läden, dem mangelnden Einkaufserlebnis“. Paul Heinz Bruder sieht den eigenen Online-Auftritt daher weiter nur als Vertriebsergänzung; zumal die dortigen Verkaufspreise, im Vergleich zu denen im Einzelhandel, höher sind und die Versandkosten noch hinzukommen.

Allgemein angesprochen auf die Online-Aktivitäten der Branche, kann der Bruder-Chef aufgrund nunmehr eigener Erfahrungen nicht umhin, die noch größere Bedeutung des Digitalen und der Videowelten zu bestätigen: „Besonders dieses Krisenjahr 2020 wird allen Händlern bewiesen haben, dass, wer jetzt noch keinen eigenen Webauftritt (click and collect) pflegt, Grundlegendes versäumt. Auch click and collect funktioniert ohne Web-Repräsentanz nicht. Die Kunden, vor allem jüngere, erwarten das. Wir bei Bruder“, betont er, „wissen natürlich um die persönliche Beratungsansprache der Endkunden, die ist und bleibt das Wichtigste. Doch ums Internet kommt man heute einfach nicht mehr drumherum“. Corona habe diese Tendenzen dramatisch verstärkt.

Spielwarenmessen 2021 fehlen

Im Hinblick nun auf das laufende 2021 wären, so Paul Heinz Bruder weiter, „selbstverständlich alle Vorausplanungen Kaffeesatzleserei“. Seines Wissens sei die heimische Spielwarenmesse noch nie ausgefallen –, jetzt, im Januar, ist es so weit. „Uns fehlt die Messe natürlich. Die weiteren Veranstaltungen leider auch. Die Messegesellschaften weltweit haben 2021 im Prinzip vorsorglich abgeschrieben, mit Ausnahme der Spielwarenmesse eG, die eine Summer Edition anbietet. Wir gehen davon aus, dass erst ab kommendem Jahr das Meiste wieder ‚normal‘ läuft, eigentlich erst in zwei bis drei Jahren,“ so Bruder.

Zwar hätten sich die Ordertätigkeiten längst um die Hauptspielwarenmesse herum verteilt, doch es fehlten „natürlich die persönlichen Kontakte, die Möglichkeit, unsere Neuheiten schlicht in die Hand zu nehmen, und es fehlt auch die Ausstrahlung für unser Image,“ bedauert er. Abgesehen davon, dass sich alle Interessenten und die Presse die Produkte durchaus auch im „Offenen Bruder-Showroom“ in Fürth ansehen können (mit Voranmeldung und unter Einhaltung aller Hygienevorschriften), habe sich die Produktpräsentation alternativ eben ins Internet verlagert: „Wir werden daher ab dem 22. Januar all unsere Neuheiten online zeigen“. Bruder selbst präsentiere in einem Film die hochwertigen Produkte. Um etwas Messefeeling zu generieren, hat die Spielwarenmesse eG auf ihrer Homepage den Bereich „BrandNew“ eingerichtet.

Produktneuheiten bringen den Sommer zurück

All diese Ausnahmen werde das traditionsreiche Unternehmen also „wegstecken und nutzen“, zumal Bruder eben in Sachen Produktneuheiten auch für 2021 allerlei Neues vorzuweisen habe. Die Fürther haben sich bei den Neuerungen nicht eingeschränkt. Bruder verweist stolz auf insgesamt 16 Neuheiten für 2021.

Die Produktneuheiten für 2021 können in einem komplett neuen Format in Form eines virtuellen Messestandes auf der Bruder Website angeschaut werden. Kick-off-Termin für die Präsentation: Freitag, 22. Januar 2021, 11:00 Uhr.