Handel

Wie das US-Start-up b8ta den stationären Handel neu denkt

„Narratorsstatt Verkäufer

Noch im Februar lockten die mittlerweile 22 Stationär-Präsenzen vor allem technik-begeisterte Kunden an. In den b8ta-Stores durften sie Produkte, die so vorher noch kaum im Handel zu sehen waren, direkt im Laden ausprobieren. Alle Produkte sind unverpackt und bereit für den Einsatz. VR-Gadgets dürfen aufgesetzt, Spiele gezockt, smarte Textilien anprobiert werden. Bei Fragen standen die gut geschulten "Narrators" - "Verkäufer will das Start-up sein Laden-Personal nicht nennen - jederzeit bereit. Nur kaufen mussten die Kunden in den Läden ausdrücklich nicht - denn bei b8ta geht es nicht um den Absatz pro Fläche.

Geschäft mit Werbefläche und Live-Usability-Labor

Stattdessen versteht sich das Start-up als begehbare Werbefläche: Unternehmen, die ihre Waren vornehmlich online vertreiben, können dort ihren Kunden ein haptisches Erlebnis bieten. Überzeugt das Produkt, wird es online bestellt, bezahlt und nach Hause geliefert. Dabei ist es den Betreibern von b8ta egal, ob die Kunden auf b8ta.com , im Online-Shop des Herstellers oder bei einem Marktplatz bestellen. Denn Provision pro Verkauf gibt es nicht. Stattdessen bezahlen die Hersteller der Produkte eine Grundgebühr für die Präsenz ihrer Waren in den b8ta-Stores – und für die Informationen über den Umgang der Kunden mit den Produkten, die das Start-up in seinen Stores sammelt. Denn jeder b8ta-Store ist gleichzeitig auch ein Live-Usability-Labor. So können Hersteller beispielsweise testen, wie unterschiedliche Preise oder andere Marketing-Botschaften im Vergleich wirken. "Retail as a Service" nennt b8ta das Geschäftsmodell.

13 neue Stores in zwei Jahren

Bisher schien das Konzept aufzugehen. b8ta eröffnete in den letzten zwei Jahren 13 neue Stores, der letzte öffnete im Januar 2020 in Dubai seine Pforten - damit erweiterte das Unternehmen sein Konzept erstmals über die Landesgrenzen der USA hinaus. Auch in neue Sortimente hat sich das Unternehmen, das den Ruf einer Plattform für verrückte Kickstarter-Gadgets langsam los werden will, letztes Jahr vorgewagt: Gemeinsam mit dem Unternehmen Tru Kids Brands, das die Rechte an dem insolventen einstigen Spielzeugriesen Toys'R'Us hält, eröffnete b8ta rechtszeitig zum letzten Weihnachtsgeschäft mehrere Ladenflächen, in denen Spielwarenhändler nach dem b8ta-Prinzip ihre Produkte zum Anschauen und Ausprobieren präsentieren konnten. Bereits im November hatte das Start-up ähnliches mit verschiedenen Mode-Brands versucht.

Macy’s als überzeugter Hauptinvestor

Schon 2018 erweiterte b8ta sein Retail-as-a- Service-Modell um die Technologieplattform „Ark Marketplace“, mithilfe derer kooperierende Einzelhändler selbst optimierte Produkte anbieten und Interaktionen in ihren eigenen Geschäften messen können. Das Gesamtkonzept des Start-ups hat unter den Stationärgrößen längst für Furore gesorgt. 2018 übernahm das US-Kaufhaus Macy's eine Minderheit an b8ta und führt seitdem jede neue Finanzierungsrunde an. Noch Anfang März schloss das Startup eine weitere Runde ab und sammelte weitere 50 Millionen US-Dollar ein. 

Die Zukunft von b8ta entscheidet sich auch an Corona

Doch dann kam Covid19. Und innovatives Geschäftskonzept hin oder her, die Corona-Krise trifft auch b8ta hart. Mitte März bis Mai wurden alle Ladengeschäfte geschlossen, 250 Mitarbeiter wurden freigestellt. Die verbliebenen Angestellten arbeiten, wie b8ta-Tester Anthony, bei gekürztem Lohn von zuhause aus und stellen die Produkte in den geschlossenen Stores per YouTube, Facebook, Instagram oder in 1:1-Webkonferenzen via Zoom vor. Auch an ihren Bemühungen wird sich entscheiden, ob das Geschäftsmodell "Retail as a Service" tatsächlich krisenfester und zukunftssicherer ist als der klassische stationäre Verkauf.

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