Lizenzwelt

Filme & Spielzeug

Das Post-Covid-Imperium schlägt zurück
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Bei den Film-Neuerscheinungen hat Corona – nicht anders als in anderen Lebensbereichen und Branchen – zu großen Verwerfungen geführt. Wenn die Leute nicht mehr ihr Heim verlassen dürfen oder zumindest größere Menschenansammlungen meiden – zu denen auch Kinos gehören – dann ist es kein Wunder, dass die Kinobetreiber bluten müssen. Die Fachzeitschrift The Hollywood Reporter berichtet, dass die Einnahmen der Kinos im Jahr 2020 in den USA bei ca. 2,2 Mrd. Dollar herumdümpelten, während es 2019 noch um die 11,4 Mrd. Dollar waren.* Das ist ein massiver Rückgang, und deswegen verwundert es nicht, dass die Kinobetreiber immense Verluste verzeichnen mussten.

Die Auswirkungen der Pandemie auf filmbasiertes Lizenzspielzeug

Die Auswirkungen auf die Spielzeugunternehmen waren gemischt: Spielzeug, das auf Filmen basierte, die erst gar nicht in die Kinos kamen oder höchstens einen minimalen Effekt hatten, hatte es natürlich schwer. Man muss kein Hellseher sein, um zu vermuten, dass es hinter den Kulissen sehr schwierige Verhandlungen über garantierte Mindestzahlungen und entsprechende Nachlässe gegeben haben wird. Insgesamt ist die Spielzeugbranche allerdings überraschend gut durch das Pandemiejahr 2020 gekommen. Wahrscheinlich dürften die Evergreens unter den Spielzeugmarken, die einen hohen Bekanntheitsgrad haben und denen Eltern vertrauen, am meisten profitiert haben. Dazu gehören auch Lizenzspielwaren, die auf gut eingeführten Themen basieren, die es ohne Zweifel einfacher hatten als solche, die gerade erst neu in den Markt gebracht wurden.

Die Frage ist jetzt, was die Filmbranche und die Spielzeugunternehmen, die aus Filmen abgeleitete Lizenzartikel verkaufen, tun können, um zum Gegenschlag auszuholen, wenn die Pandemie erst einmal zum Erliegen kommt, weil weltweit Impfstoffe verfügbar sind. 

Dieser Gegenschlag hat schon längst begonnen, und zwar in Form einer Verlagerung hin zu Plattformen für Home Viewing. Die wichtigste Rolle hat hier zweifelsohne Disney+ gespielt, eine vom Walt Disney-Konzern betriebene Plattform, die 2020 mit einer unglaublich großen Auswahl an Content direkt in die Wohn- und Kinderzimmer der Verbraucher vorgedrungen ist. Timing ist bei so einem Launch das A und O, und besser hätte es für den Start von Disney+ gar nicht laufen können. In den Wohnzimmern warteten Familien, die ihre Häuser lange nicht verlassen durften, sehnsüchtig auf netten Content, um einerseits ihre Zeit auf unterhaltsame Weise totzuschlagen und andererseits angesichts der bedrückenden Pandemie auch mal wieder etwas zum Lachen zu haben. Während ich diesen Artikel schreibe, hat Disney+ rund 87 Mio. Abonnenten, und es wird prognostiziert, dass die Zahl der Nutzer in den nächsten Jahren auf mehr als 200 Mio. ansteigen wird.

Kann Video-on-Demand die Umsätze von Lizenzspielzeug ankurbeln? 

Ewiggestrige Zyniker hätten früher vielleicht in Zweifel gezogen, dass eine Video-on-Demand Plattform die Umsätze von Spielzeug genauso gut ankurbeln kann wie ein pompöser Filmstart in den Kinos. The Mandalorian und der daraus resultierende Run auf Baby Yoda-Spielzeug haben aber eindrucksvoll bewiesen, dass guter Content mit überzeugenden Charakteren die Umsätze mit den dazugehörigen Merchandising-Produkten auch dann ordentlich nach oben treibt, wenn es keinen Kinostart mit großem Tamtam gibt.

In mancherlei Hinsicht hat sich also das Teilsegment des Spielzeugmarkts, das früher von Kinofilmen getragen wurde, schon an eine Zukunft angepasst, in der Video-on-Demand viel präsenter ist und vor allem auch selbstständig nennenswerte Umsätze bei Lizenzspielzeug generieren kann. Nach dem Riesenerfolg von Disney+ hat der Disney-Konzern bereits die neuen Pläne für die Produktion von Content bekanntgegeben. Dazu gehören zehn neue Serien, die auf dem Star Wars-Universum basieren, und zehn weitere Serien aus der Marvel-Welt. Klar ist also, dass Inhalte für Video-on-Demand, die sich gut für Lizenzspielzeug eignen, in Zukunft nur eine Richtung kennen werden, und zwar nach oben!

Wie geht es nach der Pandemie weiter?

In der nächsten Zeit wird es einen Rückstau an äußerst erfolgversprechenden Filmen geben, die alle aufgrund der Corona-Pandemie verschoben wurden und nun auf ihren Release warten. Hinzu kommen weitere Star Wars- und Marvel-Episoden, die in absehbarer Zukunft auf die Leinwand kommen dürften. Wenn also die Kinos wieder öffnen und auch geöffnet bleiben (was hoffentlich eher Anfang als Ende 2021 der Fall sein wird) und die Betreiber sich darauf verlassen können, dass große Events stattfinden können und sich rechnen, dürften sich auch die Besucherzahlen wieder stabilisieren. Man darf hier optimistisch sein, denn die Kinos sind zwar alle massiv in der Bredouille, aber die physische Infrastruktur ist ja immer noch vorhanden. Folglich wird es nach wie vor Orte geben, an denen Filme gezeigt und geschaut werden – vorausgesetzt, man kann wieder gefahrlos ein Filmtheater besuchen. Dass die Kinos sich vor Ausbruch der Pandemie überhaupt so gut behaupten konnten, obwohl es ja auch damals schon Video-on-Demand gab, hat damit zu tun, dass das Gefühl, zusammen auf einer Großleinwand einen Film zu sehen, auf den man sich gemeinsam gefreut hat, nur im Kino erzeugt werden kann. Nicht vergessen werden darf auch die moderne Technik, die den Zuschauern einfach unvergessliche Erlebnisse beschert. Man darf also damit rechnen, dass einige Filmstudios in Zukunft ihre Neuheiten gleichzeitig im Kino und als Video-on-Demand rausbringen werden. Aber wenn die Pandemie erst einmal vorbei ist, wollen die Menschen wieder Spaß haben und ausgehen. Ein Kinobesuch ist dafür wie geschaffen. Man denke nur an die Autokinos, die 2020 wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, und zwar weltweit.

Für die etwas fernere Zukunft, wenn diese furchtbare Pandemie nur noch eine finstere Erinnerung und keine Realität mehr ist, dürften die Chancen für filmbasiertes Lizenzspielzeug eher steigen als weniger werden. Allerdings wird es immer mehr Content geben, und deswegen werden die Grundlegeln für gutes Lizenzmanagement wichtiger denn je sein, denn nur so kann sichergestellt werden, dass man auch Gewinne aus dem immer größeren Angebot an Lizenzthemen erwirtschaftet, die zur Verfügung stehen. Es wird also spannend, wenn die Impfstoffe erst einmal in großem Stil unter das Volk gebracht sind und die Menschheit aus ihrem Zwangswinterschlaf erwacht, um wieder auszugehen und all das zu genießen, was das Leben und die Filmbranche so bereithalten.

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Quelle:

*2020 Box Office: Domestic Revenue Falls to 40-Year Low (The Hollywood Reporter)