Macher

Mehr Vielfalt im Kinderzimmer

Interview mit Tebalou
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SPIELWARENMESSE®:

Wie kamen Sie auf die Idee den Onlineshop Tebalou zu gründen? 

Olaolu Fajembola und Tebogo Niminde-Dundadengar
Olaolu Fajembola und Tebogo Niminde-Dundadengar, Gründerinnen von Tebalou

Olaolu Fajembola:

Schon in den ersten Stunden als wir uns im Jahr 2016 kennenlernten, hatten wir die Idee, Tebalou zu gründen. Denn aus unserer Erfahrung als Mütter erkannten wir, dass sich die Realität seit den 80er Jahren nicht stark verändert hat. Wir wollen unseren Kindern andere Realitäten präsentieren, in denen sie sich wieder erkennen können. Somit entstand der Onlineshop Tebalou aus unserer persönlichen Erfahrung, unsichtbar in der Spiele- und Bücherwelt zu sein. Wir möchten, dass sich ALLE Kinder in den Produkten, die sie konsumieren, die ihre Fantasiewelten anregen und die ihre Entwicklung bestärken, wieder erkennen. 

Ihr Ziel ist es, Vielfalt ins Spielzimmer zu bringen. Doch, was bedeutet für Sie eigentlich Vielfalt? 

Olaolu Fajembola:

Spielwaren und Büchern stellen die Realität oft sehr homogen dar. Sie zeigen ein gesundes, weißes Kind, das mit seinen Eltern, Geschwistern und eventuell Haustieren in einem Haus mit Garten wohnen. Meistens werden christliche Feste gefeiert und der Vater geht zur Arbeit, während die Mutter sich um emotionale Belange und den Haushalt kümmert. Doch das Leben schaut in den meisten Familien heutzutage anders und vielfältiger aus. Es gibt etliche Diversitätsmerkmale wie z. B. die Hautfarbe, die Religion, körperliche Beeinträchtigungen, Bildung, der Familienstand der Eltern – verheiratet oder geschieden, etc. Darüber hinaus geht es aber auch um Emotionen und Taten. Denn ein Kind ist mal traurig oder wütend und tut eventuell sogar etwas Verbotenes wie stehlen, aber auch das ist die Realität. Finanzielle Aspekte werden ebenfalls selten thematisiert, jedoch kann sich nicht jede Familie ein Haus leisten. Das Thema Gender und das klassische Rollenbild von Frauen und Männern ist ebenfalls eine wichtige Materie. Denn es gibt auch starke und rebellische Mädchen oder Jungs, die nicht der Norm der Männlichkeit entsprechen. Spielzeuge, die diese Vielfältigkeit aufgreifen, geben Eltern und Pädagog:innen die Möglichkeit über Diversitäten, Emotionen und Handlungen zu sprechen.

Wie hoch ist die Nachfrage der angebotenen Produkte? Wie sieht das Feedback Ihrer Kundschaft aus?

Olaolu Fajembola:

Die Nachfrage steigt stetig und das Feedback ist durchgehend sehr positiv. Eltern und Pädagog:innen haben uns bestärkt und sind begeistert vom Angebot. Zu unseren Kunden gehören viele Pädagog:innen, die gemäß ihres Bildungsauftrags in Einrichtungen wie Kitas und Kindergärten alle Kinder fördern und ihnen eine gleichwertige Wertschätzung vermitteln möchten. Ansonsten haben wir viele Kunden, die sich in ihrer Kindheit ebenfalls unsichtbar gefühlt haben und froh sind, ihren Kindern Spielzeug zu bieten, mit denen sie sich identifizieren können. Aber natürlich auch Eltern, die ihre Kinder antirassistisch und diversitätssensibel erziehen möchten.

Tun Sie sich bei der Sortimentsplanung schwer, neue Produkte zu finden oder haben Sie das Gefühl, dass Hersteller zunehmend mehr Produkte anbieten, die das Thema Gleichberechtigung thematisieren? 

Puppen vom Onlineshop Tebalou

Olaolu Fajembola: 

 In der Bücherwelt passiert schon einiges, vor allem bei Genderthemen, allerdings ist die Spielewelt noch sehr homogen. Wir haben viele Produkte von neuen und kleinen Hersteller:innen, die das Thema aufgreifen wie beispielsweise Memories mit unterschiedlichen Familienmodellen oder Puzzle mit kulturellen Motiven. Große Firmen bieten manchmal 1-2 Produkte an, die zu unserer Ausrichtung passen. Bei Puppen gibt es ein großes Repertoire, jedoch ist der Anteil an schwarzen Puppen deutlich geringer und die Auswahl an Puppen, die nicht nach stereotypischen Merkmalen entworfen sind, ist noch einmal drastisch reduziert. Auch bei klassischen Gesellschaftsspielen ist die Auswahl sehr gering und wir stehen hier am Anfang. Kommunikativ haben wir zwar bereits einen Punkt erreicht, an dem sich etwas ändern muss, aber an der Umsetzung hapert es noch. In anderen Räumen wie beispielsweise in Frankreich tut sich deutlich mehr, weshalb wir viele Produkte leider importieren müssen. 

Um neue Produkte für unser Sortiment zu entdecken, haben wir vor der Pandemie Messen sowie pädagogischen Tagungen und Konferenzen besucht. In der aktuellen Zeit ist es etwas schwerer und bei den größeren Firmen reine Katalogarbeit. Da unser Social-Media-Kanal immer bekannter wird, erhalten wir von einzelnen Spieleproduzent:innen und Verlagen Produktvorstellungen, da sie uns bereits kennen. 

Welche Marketingstrategie verfolgen Sie für Ihr Unternehmen, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen? 

Olaolu Fajembola: 

Unser Thema ist sehr diversitätssensibel und wir sehen uns selbst als Aufklärerinnen, um Eltern und Pädagog:innen für das Thema zu sensibilisieren. Aus diesem Grund hat auch unsere Marketingstrategie viel mit Aufklärung zu tun. Social Media ist für uns ein sehr wichtiges Tool, um die Leute zu informieren und die Problematik zu vermitteln. Außerdem haben wir einen Newsletter und vor der Pandemie waren wir persönlich auf vielen Veranstaltungen unterwegs. Zusätzlich haben wir eine hohe Pressepräsenz. Die können wir zwar nicht direkt beeinflussen, aber sie ist darauf zurückzuführen, dass wir im frühkindlichen Bereich auch beratend tätig sind. 

Was sind Ihre Projekte und Pläne für das Jahr 2021? Welches Ziel haben Sie sich für dieses Jahr gesetzt? 

Olaolu Fajembola: 

Wir haben für das Jahr 2021 einige Kooperationen geplant und sind mit Verlagen und Spieleentwicklern in Kontakt, um zu mehr Vielfalt zu ermuntern. Unser Ziel ist es, vor allem mit Bildungseinrichtungen in Kontakt zu treten, damit diese Spielzeuge für alle Kinder anschaffen, um jedes Kind zu fördern und ihnen Wertschätzung zu vermitteln. Außerdem wünschen wir uns, dass die Produkte vermehrt in Privathaushalten ihren Platz finden. Aber unser größter Wunsch ist, dass viele neue Produkte in der Spielwarenwelt auf den Markt kommen, die die Vielfältigkeit unserer Welt zeigen. 

Vielen Dank für das Interview Frau Fajembola.

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