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Sicher und sauber spielen

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Die gute Nachricht vorweg: Eine Infektion mit dem Coronavirus allein über die Oberfläche von Spielzeug gilt als nicht sehr wahrscheinlich. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verfolgt die Infektionsketten seit dem Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 sehr akribisch. Dazu heißt es Mitte Februar 2021 beim BfR: „Für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege“. Stattdessen sind sich die Experten einig, dass vor allem durch Tröpfcheninfektion eine Ansteckung erfolgt – zum Beispiel beim Niesen, Husten, Sprechen und Singen. 

Ganz ausschließen lässt sich das Risiko aber nicht – insbesondere dort, wo Kinder aus verschiedenen Haushalten zusammenkommen, beispielsweise in der Kindertagesstätte oder der Tagesbetreuung. Dazu kommt, dass gerade gemeinsam genutzte Spielzeuge viele Erreger auf der Oberfläche tragen können. Das hat unter anderem einem 2015 im Journal of Hospital Infection veröffentlichte Studie gezeigt. Eine regelmäßige Reinigung oder Desinfektion der untersuchten Spielzeuge konnte die Zahl der Erreger deutlich senken. 

Hygiene im Blick

Neu ist die Erkenntnis aber nicht. Gerade Kindertagesstätten haben das Thema Hygiene sowieso schon seit vielen Jahren im Blick. Das betont beispielsweise das deutsche Bundesgesundheitsministerium: „Kitas haben Hygienepläne und verhindern durch verschiedene Maßnahmen, dass sich ansteckende Krankheiten in den Einrichtungen verbreiten, zum Beispiel das Norovirus oder die Masern“. 

Wichtiger Ratschlag des Ministeriums in der aktuellen Situation: Vor allem Spielzeug, das gruppenübergreifend verwendet wird, sollte vor der Nutzung durch eine andere Gruppe gründlich gereinigt werden. Auch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) rät in solchen Fällen zu einer „Reinigung gegebenenfalls über das übliche Maß hinaus“.

Relevant ist das Thema durchaus auch zu Hause. Denn Spielzeuge gehören nach einer Einschätzung des kanadischen National Collaboration Centre for Environmental Health zu den „High-Touch“-Flächen im Haushalt, die besonders häufig angefasst werden.

Abgestimmt auf Material und Anlass

Trotzdem sollte man bei der Reinigung und je nach Bedarf bei der Desinfektion von Spielzeug immer mit Augenmaß vorgehen. Das ist schon deshalb wichtig, weil jedes Material anders reagiert. Außerdem hilft nicht jede Methode gegen jedes hygienische Problem. Da ist zum Beispiel die Belastung von Kuscheltieren mit Milben, die Hausstauballergien auslösen: Statt Desinfektionsmittel hat sich hier das Einfrieren der Stofftiere bewährt: Bei -15 Grad Celsius für wenigstens 24 Stunden ließ sich in einer Untersuchung der US-amerikanischen Wright State University die Zahl der Milben selbst und ihrer Eier radikal reduzieren. Hinweis der Forscher: Die Kuscheltiere hinterher am besten auch noch waschen, um die allergieauslösenden Stoffe aus dem Textil zu entfernen.

Je empfindlicher die Oberfläche eines Spielzeugs ist, desto vorsichtiger muss man vorgehen. Ein guter Grundsatz ist deshalb, lieber mit einem feuchten Tuch zu arbeiten, als mit viel Flüssigkeit (sei es Wasser mit Reinigungsmittel oder alkoholbasiertes Desinfektionsmittel). Denn zu viel Feuchtigkeit mögen Produkte mit elektronischen Bauteilen ebenso wenig wie naturnahes Holzspielzeug.

Antibakterielle Spielwaren

Längst gibt es auch Spielzeuge, die selbst desinfizierende Eigenschaften aufweisen. Beispiele sind die antibakterielle Spielmatte von Sunta, deren Oberfläche Silberionen enthält und der ebenfalls antibakterielle Spielschleim von Canal Toys. 

Allerdings sind antibakterielle Eigenschaften von Spielzeugen nicht unumstritten. So warnt die kanadische McGill Universität davor, dass sie womöglich zur Verbreitung multiresistenter Keime beitragen können.

Sauber spielen

Manchmal muss es gar nicht um die konkrete Furcht vor bestimmten Viren und Bakterien gehen, wenn Spielzeug gereinigt wird. Die Säuberung gehört beispielsweise zu den sinnvollen Vorsichtsmaßnahmen, wenn es um die Nutzung gebrauchter Spielwaren geht. 

Viele Hinweise dazu gibt es beispielsweise in der Community der Klemmbaustein-Modellbauer. Der Shop Steinchenwelt aus Freising beispielsweise empfiehlt, die Kunststoffbauklötze in einem stabilen, schützenden Wäschenetz in die Waschmaschine zu geben, Kurzprogramm bei 40 Grad Celsius. Achtung: Keinesfalls lose Steinchen in die Trommel – das ruiniert die Maschine! Auf den ersten Blick scheint dem Laien der Waschgang in der Spülmaschine als sanfter. Doch tatsächlich lassen sich in der Waschmaschine die Temperaturen besser steuern.

Auch der führende Klemmbausteinhersteller Lego verweist darauf, wie wichtig die richtige Temperatur ist: Die Bauklötze sollen nicht heißer als bei 40 Grad Celsius gewaschen und auch nicht mit dem Föhn oder in der prallen Sonne getrocknet werden. Vom Schonwaschgang in der Maschine rät das dänische Unternehmen allerdings ab. Stattdessen der Tipp: Handarbeit mit warmem Wasser, mildem Reinigungsmittel und weichem Tuch oder Schwamm: Damit die Steine wieder glänzen.

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