Nachhaltigkeit

Holzspielzeug pur

Die Sehnsucht nach „natürlicher“ Natur
Holzspielzeug pur: Die Sehnsucht nach „natürlicher“ Natur

Vor zwei Jahren sorgte Brüssel mit dem „Green Deal“ für Furore. Mitte Juli 2021 folgte ein umfassendes Paket von zusammenhängenden Vorschlägen. Der EU-Aktionsplan sieht nachhaltiges Wachstum als eines der wichtigsten Ziele der Union an. Europa soll bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent aufsteigen. Gut ein Jahr später legte die Kommission mit der „Neuen Verbraucheragenda“ nach, um Konsumenten eine aktive Rolle beim ökologischen und digitalen Umbau einzuräumen. Die Agenda sieht u.a. eine Überarbeitung der Produktsicherheit für Spielzeug und Babyartikel vor. Zudem rückt das Thema Design in den Fokus der Brüsseler. 80 Prozent der Umweltauswirkungen von Produkten, so die Kommission, hätten ihren Ursprung in der Designphase. Damit Produkte zukünftig klimaneutral, ressourceneffizient und kreislauforientiert gestaltet werden, plant Brüssel eine Reihe von Initiativen und Rechtsvorschriften. Ende Januar 2021 folgte mit der „Green Consumption Pledge“ prompt die erste Initiative im Rahmen der grünen Verbraucheragenda. Damit werden Menschen, Gemeinschaften und Organisationen aufgerufen, sich an Klimaschutzmaßnahmen zu beteiligen. 

Mit Holz das Klima retten

LEGO Elemente aus nachhaltigem Kunststoff.
Pflanzen aus Pflanzen sind die ersten LEGO® Elemente (Bäume, Blätter und Büsche)  aus nachhaltigem Kunststoff.

Eines der ersten teilnehmenden Unternehmen war Lego. „Unternehmen müssen beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und einer Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle spielen“, sagt Tim Brooks, Vice President of Environmental Responsibility bei LEGO. „Und wir wissen, dass wir das nicht alleine schaffen können. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, gemeinsam mit Gesetzgebern, Verbrauchern, Experten und Partnern zusammenzuarbeiten, um positive Auswirkungen auf den Planeten zu erzielen.“ 400 Mio. US Dollar will Lego bis 2023 in nachhaltige Projekte investieren. Die Dänen, die bereits vor drei Jahren Produkte aus pflanzlichem Kunststoff auf den Markt brachten, zählen auch zu den Teilnehmern der vom 7. bis 8. September 2021 stattfindenden Bio!Toy-Konferenz in Nürnberg. Die von der Spielwarenmesse eG unterstützte Veranstaltung will Ein- und Ausblicke in die Nutzung alternativer Materialien geben.

Goldene Zeiten also für Holzspielzeug, weil Verbraucher Kunststoff inzwischen kritisch bewerten und Europa den Fokus auf die Bekämpfung der frühzeitigen Obsoleszenz und die Förderung der Haltbarkeit, Recycling- und Reparaturfähigkeit von Produkten legt? 82 Prozent der Deutschen sprechen sich jedenfalls für eine längere Produktnutzungsdauer und höhere Materialeffizienz aus, so eine Umfrage der Otto Group von Januar 2021. Der „Klimapapst“ Hans Joachim Schellnhuber will sogar mit seiner „grünen Bauhaus-Bewegung für das 21. Jahrhundert“ und den Materialien Holz und Bambus nichts Geringeres als das Weltklima retten. Der Gründer des Potsdamer Institutes für Klimafolgenforschung plädiert seit neuestem dafür, dass wir „unsere Städte wieder aus Holz“ bauen, weil Holz überragende Material- und einzigartige Systemeigenschaften aufweist. Die gebaute Umwelt sei jedenfalls, so Schellnhuber, für mehr als 40 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Ob das zu schaffen sein wird, bleibt fraglich, aber Holz und Bambus schafften es im April 2021 in die Schlagzeilen. 

Auch Oberflächen können erzählen

Plantoys Dancing Alligator
Dancing Alligator von Plantoys

Der Trend zu alternativen, ressourcenschonenden Materialien dürfte den Anbietern von Holzspielzeug in die Karten spielen. Tatsache ist, dass Holzspielzeug seit Jahren relativ gut dasteht. Die Branche wächst. Nach Berechnungen der Fachgruppe Holzspielzeug beläuft sich das Volumen des deutschen Marktes über alle Vertriebskanäle hinweg auf rund 148 Mio. Euro. Ein Selbstläufer ist Holzspielzeug dennoch nicht, wie der ToyAward-Juror und Marktforscher Axel Dammler glaubt. Nachhaltigkeit sei zwar immer häufiger eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den Kauf von Holzspielzeug. Dammler glaubt, dass der Aspekt Nachhaltigkeit in den nächsten fünf bis zehn Jahren eher an Relevanz verliert, weil der Verbraucher sie voraussetzt. Wichtiger würden dafür Marke, Design, Funktionen. Zusätzliche USPs zu kreieren, fällt Holzspielzeugherstellern allerdings schwer. Holz ist nicht beliebig verformbar. Das legt der Formgebung enge Grenzen auf. Dennoch, es muss nicht immer die Form sein, um eine Story zu erzählen; manchmal reicht auch die Oberfläche. Genau diese Form des Storytellings nutzen „Natur pur-Reihen“.

Baby Pure Beißring, Rassel und Wagenkette von Einhorn
Baby Pure Beißring, Rassel und Wagenkette von Einhorn

Ein aktuelles Beispiel liefert Sigikid, das sich zwar vor gut 15 Jahren von Holzspielzeug verabschiedete, aber mit der Kollektion „CudlyWudly“ wieder in die Holzspielproduktion einsteigt. Die in Europa gefertigten Holztiere werden aus Ahornholz in Handarbeit hergestellt, sind ohne Farbelemente, nur das Gesicht ist skizziert, wodurch jedes Tier seinen ganz individuellen Ausdruck erhält. Diesem Trend folgt auch die Eichhorn Babylinie „Baby Pure“, die auf natürliche Werkstoffe, sanfte Farben und klare Formen setzt. Die Verpackung ist aus Naturkarton. Der Nachhaltigkeits-Pionier Plantoys setzt auf Purismus pur. Das thailändische Unternehmen führt seit Jahren unbehandeltes Spielzeug im Programm. Aber erst 2020 entschloss man sich zu einer „PlanNatural“-Reihe, die die farbigen Klassiker des Sortiments in ihrer natürlichen Farbgebung präsentiert. Motto: „Children can get closer to nature more than ever before!“

Run nach echten Naturprodukten

Schiebetiere von „goki nature“
Schiebetiere von „goki nature“

Als Vorreiter dieser Entwicklung gilt goki mit „goki nature“, die 2014 auf den Markt kam. Die Linie steht für naturbelassene Hölzer, die bewusst auf Farben und Farbigkeit verzichtet, um dem Verbraucherwunsch nach unbehandeltem Holzspielzeug Rechnung zu tragen. Die Tönung wird durch eine thermische Behandlung erzielt. „Der Trend zu Ökologie, Nachhaltigkeit, zum Haptischen“, erklärt goki-Geschäftsführer Thorsten Koss die Entwicklung, „beflügelt den Run nach echten Naturprodukten.“ Wooden Story bietet erlesenes Spielzeug aus naturbelassenem Holz an, das mit Wachs versiegelt wird. Das Ergebnis ist eine angenehm weiche Oberfläche, die irgendwann die Spuren der Zeit aufweist. 

Haba Hängefigur Pünktchen
Hängefigur Pünktchen von HABA

Das dänische Unternehmen Kids Concept, das für seine Kindermöbel bekannt ist, bringt mit „Neo“ und „Natural“ Spielzeug auf den Markt, das weitestgehend naturbelassen ist. Ein Beispiel für die „Pure-Philosophie“ liefert auch der „Doll pram“, ein Puppenwagen aus Buchensperrholz, bei dem nur die Räder dezente farbliche Akzente setzen. Last but not least greifen auch die neuen Bausteine der Clever-up-Reihe von Haba den Trend zu natürlicher Optik auf. Ob der Verzicht auf Farbe aktuellen ästhetischen Vorlieben entspringt oder eher die Sehnsucht des Verbrauchers nach „natürlicher“ Natur, muss Spekulation bleiben. Tatsache ist, der Trend ist da.

Info

Auf der Spielwarenmesse finden Sie ein breites Angebot an Holzspielzeug. Erfahren Sie mehr über den Markt und die Hersteller. 

Zur Produktgrupp Holzspielwaren, Spielzeug aus Naturmaterial

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